Leben mit dem FC Energie Cottbus
Eine Saison lang, von August 2000 bis Juni 2001 begleiteten wir die Cottbusser mit der Kamera und zeigen, wie sie mit Sieg und Niederlage umgehen.
Fast alle der Gebliebenen fiebern jedenfalls dem Start ihres FC Energie Cottbus in der ersten Bundesliga entgegen. Wie wird sich Energie gegen die renommierten Clubs aus dem Westen, wie gegen den einzigen verbliebenen "Ostrivalen" Hansa Rostock verkaufen können? Die Fußballexperten in der Republik sind sich darüber einig, dass der Verein am Ende der Saison wieder zu den Absteigern gehören wird. Zu gering sind die finanziellen Mittel des Vereins, um eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen. Den Aufstieg hatte man mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe von sog. "Fußballegionären" aus vielen verschiedenen Ländern erreicht. Alles gute Techniker und Kämpfer, aber dennoch kaum erstligatauglich. Der "Star" ist die Mannschaft, der Mannschaftsgeist und der mit autoritärer Strenge herrschende Trainer EDUARD GEYER, ein Ex-Internationaler der DDR. Die Cottbusser wissen das alles, wollen aber, dass der Verein, mit dem sie sich so identifizieren, zumindest für ein Jahr auf der deutschen Landkarte einen prominenten Platz einnehmen wird.
Der Film soll über die Dauer der gerade angelaufenen Fußballsaison beobachten, wie der Aufstieg des Fußballvereins FC Energie Cottbus das Leben und die politische Stimmung in der Region verändert. Er soll das tun, indem er Cottbusser beobachtet, die direkt oder indirekt vom Aufstieg betroffen sind und große Erwartungen in die kommende Bundesligasaison haben. Das sind Menschen aus dem Fußballverein, aus der Siedlung Zuschka und zwei Kleinbetriebe, eine Gaststätte und eine Fleischerei.
Die Fußballer aus der Mannschaft sollen den "roten Faden" bilden. Sie stehen enorm unter Erwartungsdruck, denn sie sind indirekt verantwortlich für Erfolg und Mißerfolg und damit auch für die politische Stimmung in der Region.
Zum einen ist das MOUSSA LATOUNDJI aus dem Benin (Afrika), der schon seit einem Jahr in Cottbus lebt und schon einige Erfahrungen hat mit den gesellschaftspolitischen Ausschreitungen gegen Ausländer - dennoch ist er in Cottbus geblieben .
Zum anderen ist das TORALF KONETZKE, der einzige Cottbusser im Kader, der aus Köln zurückgekommen ist,um im äußersten Osten von Deutschland wieder fußballzuspielen. Er kennt die Mentalität der Cottbusser in- und auswendig und ist aktiv in der Fan-Betreuung tätig.
Auf der anderen Seite stehen die Cottbusser, wie z.B. MICHAEL und SIMONE, Kioskbesitzer in der Plattenbausiedlung Zuschka mit ihren Stehausschankgästen. Hier spiegelt sich die ganze gesellschaftspolitische Realität in Cottbus wieder. Die meisten in der Siedlung sind arbeitslos oder ABM-ler. Sie identifizieren sich mit dem Verein und sehen den Aufstieg eher als "Kampfansage" gegenüber dem Westen. Einige gehen nicht mehr zu Energie - da nur noch wenige Deutsche in der Mannschaft spielen. Jeden Sonnabend bzw. Sonntag wird bei "Happy Hour" Preisen -Wodka/Lemon: 2.-- DM - die Lage von Energie diskutiert. Die Stimmung ist rechtslastig !
INGE, ist seit 30 Jahren Bedienung in der "Sandower Bierstube" und wurde schon zu DDR-Zeiten zur "Bedienung des Jahres" gekürt. Ihre Gaststätte kann nur aufgrund der Treue von Stammgästen und der extrem niedrigen Preise existieren. Das Bier kostet 1.50 DM, und wenn die Kohlroulade nicht 6.95 DM, der Matjes mit Bratkartoffeln nicht 7.50 DM und das Schnitzel mit Pommes nicht für 8.-- DM zu haben sind, würden die Gäste nicht mehr kommen. Jetzt hofft sie auf neue Gäste, und vor allem auf mehr Umsatz und mehr Verdienst.
HARTMUT JENDE ist Fleischermeister und war schon zu DDR-Zeiten d e r Sponsor des Vereins. Er schmiert nun alle zwei Wochen mehrere hundert Mettwurstbrötchen und Schmalzstullen und versorgt somit die Fans mit Essen und Trinken. Er könnte zum Gewinner der Bundesligasaison werden und hofft dadurch weitere Arbeitsplätze und Lehrstellen zu schaffen.
CHRISTIAN UHMA, ehemaliger Straßenbahnfahrer, Vorruheständler und Vorsitzender der Laubenkolonie "Zum frischen Duft". Er ist seit Jahrzehnten Energie Fan und ist glücklich darüber, dass Cottbus nicht nur durch die Ausländerfeindlichkeit berühmt wurde, sondern auch jetzt durch den Aufstieg und eventuell in der Zukunft auch durch Überraschungserfolge des FC Energie. Er setzt auf mehr Selbstbewußtsein für die ganze Region. Er wird aus seinem Schrebergarten heraus die Lage in Cottbus kommentieren.
Eine Saison lang, von August 2000 bis Juni 2001 begleiteten wir die Cottbusser mit der Kamera und zeigen, wie sie mit Sieg und Niederlage umgehen.
20.07.2001
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